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Sonntag, 29. April 2012

Laufen in Autoreifen? In Motorradreifen!

Die Lauf-Saison hat längst wieder ihre besonders aktive Phase erreicht.

Und auch ich laufe wieder regelmäßig 2-3mal die Woche meine jeweils 4-8 km, mal nur Asphalt, mal gemischt. Noch sehr selten - zuletzt schon lange nicht mehr - auch mal 12 oder 14 km.

Seit diesem Jahr erprobe ich - angespornt durch Lotti, auch tätig zu werden - verschiedene Materialien auf Ihre Tauglichkeit als Laufsohlen. Heute gings mit Prototyp 4 an den Start, den ich gestern relativ spontan angefertigt hatte und gerade noch heute Morgen vor dem Lauf die Schnürung nochmals änderte.


Als Material dienten Motorradreifen, die nicht mehr in Gebrauch waren, aber noch gut Profil hatten. Hierzu erntfernte ich zuerst die inneren Ringe, die aus mehreren Drähten gebildet werden - und schwupps hatte der Reifen keinerlei sonderliche Stabilität mehr. Ich war überrascht, wie Weich so ein Reifen ist - und er eben durch die Spannung der Innenringe seine Festigkeit ausstrahlt.

Zur Schnürung wollte ich nun erstmals Lederriemen verwenden. Diese stellten sich aber in diesem Falle als besonders unangenehm heraus, allein damit angezogen war das Gefühl am Fuß sehr unangenehm. So entschied ich mich, auf flache, geflochtete Schnürsenkel aus Baumwolle zu setzen. Ein kurzer Probelauf auf einem Kilometer verlief sehr positiv. Steine, auch großer Schotter waren überhaupt kein Problem. Die Dicke des Reifengummi betrug etwa 8mm. Ich fühlte mich besonders gut geschützt und war vom Laufgefühl sehr positiv angetan.


Heute ging es dann frühmorgens um 10 Uhr an den Start. Frühstück gab es keines, ich kämpfte mich gegen 8 Uhr aus dem Schlafgemach - kein guter Tag, dachte ich. Hatte mir gestern Abend aber, von der Tarahumara-Propaganda beeinflusst noch eine Iskiate hergestellt und im Kühlschrank einziehen lasse. Man nehme hierzu einfach einen Esslöffel Chiasamen, gutes Wasser, wenige Spritzer Zitrone und verrühre das ganze mit einem Teelöffel, der zuvor in Honig getunkt wurde. Geschmacklich empfinde ich dieses "natürliche Power-Gel" sehr lecker. Ja erfrischend... aber sonst habe ich nichts bemerkt.

Eilig mit dem Motorrad gings dann ins nicht allzu weit entfernte Reinstetten zum 10km-Hauptlauf.
Wie üblich habe ich mich dann gleich vor Ort, da ich ein Spontanteilnehmer bin, nachgemeldet und sodann in die Umkleide-Kabine begeben um mein noch kaum erprobtes Schuhwerk anzuziehen.

Einige freudige und interessierte Blicke mit amüsantem Wortwechsel gab es bereits dort und weitere sollten nach dem Lauf folgen.

Der Zeiger der Kabinenuhr stand schon kurz vor 10 Uhr. Wertsachen verstaut und an den Startplatz. Dort schnürte ich nochmals etwas um, reihte mich recht weit vorne ein und schon fiel der Startschuss. Mit gutem Tempo lief ich der ersten schnellen Traube hinterher, nachdem ich ein paar vereinzelte Läufer noch überholt hatte. Und meinte auch, das gut halten zu können. Dem sollte aber nicht so sein. Nach wenigen Kilometern merkte ich, dass meine Waden nicht so gut dabei waren. Doch ein viel größeres Problem zeigte sich. Die Reifenschuhe waren einfach verdammt schwer und hingen mittlerweile wie Blei an den Füßen. Das war mir bei meiner kleinen Testrunde leider überhaupt nicht aufgefallen. Ich bekam die Füße nicht mehr richtig hoch, wie Kötze schleiften sie über dem Boden. Vereinzelt huschten so immer wieder Läufer von hinten an mir vorbei.

Ich selbst überlegte in Gedanken, ob ich die Schuhe abwerfen, und Barfuß mein Glück versuchen könnte. Da ich aber ohnehin schon offene Füße hatte, nahm ich von dem Gedanken wieder Abstand. Mein Ziel war, so gut wie möglich, mit den Reifen die Ziellinie zu überqueren. Der Lauf ging über 3 Runden, jetzt war ich bereits in der letzten. In Gedanken versunken lief ich recht gemütlich dahin, als mich dann eine hübsche Frau überholte und nochmal einen Ehrgeiz in mir weckte. ;-)

Ich zog nochmal an, überholte besagte Frau und noch weitere 3 Läufer, doch das Blei an den Füßen wurde wieder schwerer. Mein Tempo ließ nach, überholte Läufer huschten wieder an mir vorbei. Noch weniger als 1km. Ich hielt, was möglich war, die hübsche Frau blieb irgendwo hinter mir und ich durchsprang die Ziellinie in 45:03 - gefühlt hätten es auch noch mehr sein können. Und entledigte mich als erstes meinen Schuhen, bevor ich mich um etwas zu Trinken kümmern sollte. Viele Riebstellen, Blasen, Blutblasen... zum Glück hatte das während dem Lauf (noch?) nicht weh getan. Anschließend aß ich am Zielstand eifrig von den Bananen und trank vom Isowasser.

Ich war froh, mit den Reifen das Ziel noch erreicht zu haben, ohne großere Übel. Eine leichte Enttäuschung war zwar schon gegeben, aber gelernt habe ich für die Zukunft: Schuhe vor dem Lauf abwiegen. ;-)

Das habe ich nun nach dem Lauf getan, und festgestellt, dass mein voriger Prototyp gerade mal ein fünftel der Reifenschuhe wog. ;-)


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