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Dienstag, 29. Mai 2012

Harte Waden und eingeschlafene Füße

Gestern nahm ich gemeinsam mit meiner Laufpartnerin am 25. Mindelheimer Pfingstlauf teil. 11,3 km über Asphalt, Schotterwege, durch Wald und Wiesen mit ein paar Höhenmetern sollten bewältigt werden. Meine Laufpartnerin entschied sich für die kürzere 5,4er Distanz, da die Beine, insbesondere die Achillessehne ihr schon seit Tagen Probleme bereiteten. Zudem lief sie erstmals einen Wettkampf in ihren neuen FiveFingers.

Durch eine etwas einseitige Ernährung am Tag zuvor auf einer LAN-Party (große Mengen Trockenfeigen und Ziegenmlich), und erstmaligen und hohen Genuss von Grüntee, hatte ich bereits am Morgen über 5 mal Stuhlgang gehabt - und so, das sollte mir während dem Lauf klar werden, jede Menge Mineralien verloren. Zudem wollte ich heute mal nüchtern starten - so gab es morgens nur Wasser zu trinken, um dann um 11 Uhr anzutreten.

Ich fühlte mich soweit am Morgen recht wohl und bastelte an Prototyp V, um damit antreten  zu können. Leider genügte mir die Zeit nicht mehr, ihn rechtzeitig fertig zu stellen, sodass ich mich entschied, in meinen CC Ride zu laufen.

Das Wetter war sonnig und warm. In der Sonne zum Laufen eher zu warm, aber bis zum Start gesellten sich noch einige Wölkchen an den Himmel um die knallende Hitze etwas abzufangen - weit in der Ferne konnte ich sogar ein blitzendes Gewitter erblicken.

Heute startete ich, Lust auf eine neue Bestzeit, ganz vorn, ging mit gutem Tempo voran. Ein mir schon gut Bekannter holte nach nicht langer Zeit auf, ich hängte mich an ihn etwas ran, was ein Stück gut klappte, dann merkte ich aber das meine Beine irgendwie nicht so richtig Power hatten und er zischte davon. In Gedanken überlegte ich schon, ob die kleinere Distanz heute vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre, aber lief dennoch eifrig weiter.

Dann geschah etwas, was ich so bisher noch nie erlebt hatte. Meine Waden wurden hart. Steinhart. Ich musste an Stahl denken. Mein Tempo verringerte sich gezwungenermaßen auf Spaziergängerniveau, ich humpelte nur noch in kleinen Schritten voran. Ob es sinnvoll ist aufzugeben, fragte ich mich. Und entschied mich, wenn es sein sollte, die restlichen ca. 6km nötigenfalls auch so weiter zu laufen. Am Verpflegungsstand schnappte ich mir einen Becher Mineralwasser, in der Hoffnung, meine Waden würden sich dadurch wieder lockern.

Und das taten sie dann nach einem weiteren Kilometer, wo es auch stückweise schön bergab ging auch allmählich. Ich gewann langsam wieder Tempo und überholte wieder ein paar, die an mir in meinem Trampelzustand mühelos hatten vorbei ziehen können. Doch einige davon sollte ich bis ins Ziel nicht mehr sehen.

Doch meine Füße schliefen ein, wurden taub! Dadurch verlor ich jegliches Feingefühl in den Beinen und drohte umzuknicken. War ich froh, keine üblich stark ausgepolsterten und "stützenden" Laufschuhe zu tragen. So lief ich einfach wie gewohnt meine Vorfuß-Technik, wenn auch mit ungewohntem Bodenkontaktgefühl. Den letzten Kilometer auf Asphalt konnte ich das Tempo nochmals steigern, "der Motor war warm", dabei löste sich dann auch bereits leicht wieder das Taubheitsgefühl. Mit Geschwindigkeit durchlief ich die Ziellinie, eine miserable Laufzeit vermutend, da ich knapp einen Kilometer nur gehumpelt war.

Die Ergebnislisten belehrten mich eines besseren. Ich hatte die 11,3 km in 48:59 gelaufen, was 43:21 auf 10 km entspricht und erreichte damit Platz 42 von 108,  in meiner Altersklasse wurde ich 9. von 13. Nach einigen Bechern Tee im Ziel erwachten auch meine Füße wieder gänzlich.

Schade um die Zeit, aber die Erfahrung mit harter Wade, Humpeln und eingeschlafenen Füßen war für mich ein wertvolles Erlebnis, dem ich künftig vorbeugend besser entgegen wirken möchte. ;-)

Nüchtern empfand ich nicht soo toll. Ein Apfel am Morgen wäre subjektiv sinnvoll gewesen.

Und dann am Abend, ja wer hätte es gedacht, ist Prototyp V fertig geworden. Neues Sohlenmaterial, neues Befestigungssystem - der erste Probelauf folgt, und Wettkampf sowieso.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Trekken in der Pfalz

Am vergangenen, verlängerten Wochenende war ich mit ebenso abenteuerlich eingestimmter Begleitung in der Pfalz zum Trekken unterwegs. Vier Tage wild durch die Natur - es war ein wunderschönes, gewagtes Erlebnis. Ein GPS-Gerät hat sich an diesen Tagen mehrfach bewährt. ;-)

Einen ausführlichen Bericht und Bilder findet ihr hier.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Persönliche Bestzeit im Prototyp III

Da sind sie, die Gummi-Latschen
Prototyp III
Vom tollen Lauferlebnis mit Prototyp II angetrieben, sollte es nicht lange dauern, bis ich mir Bastelmaterial bestellte, um mich daran zu machen, Prototyp III, die "Gummi-Latsche" zu entwerfen.



Diesmal war mehr Bastelarbeit angesagt. Ich besorgte mir 6mm dicken, sehr flexiblen Gummi, schnitt mir daraus zwei Sohlen aus und überlegte, wie ich eine viel einfachere Schnürung bzw. Halterung bauen könnte, die auch schnell angezogen ist. Diesmal war der Schneider und Schuster in mir gefragt, mit Ideen, Näharbeit und Geduld ans Werk zu gehen.

Eine Vorversion entpuppte sich als optische Beleidigung, die ohnehin nach einem Probelauf zeigte, dass sie sich nicht so recht am Fuß halten wollte. Die starke Flexibilität der Sohle schien nachteilig. Nach einem Umbau war die Sohle noch minimalistischer und brachte nur stolze 60 g auf die Waage.

Mit besonders wenig Schnürung
Zeit blieb nur für eine kleine Testrunde (vielleicht 1km) auf Asphalt, Schotter und Waldboden, die ich als "interessant" empfand. Trotz wenig Halterungsmaterial saß die Sohle dicht am Fuß. Diesmal waren weder Schnüre noch Gummischnur dafür zuständig, die Sohle am Fuß zu halten, sondern ein straffes Polyester-Band, in das ich nur an einer Stelle ein Stück Gummiband eingearbeitet hatte, damit man leichter (oder überhaupt ;-)) in den Schuh schlüpfen kann.

Ein Wettkampf folgte in Gundelfingen, zur intensiven Erprobung auf allen typischen Untergründen über 10km. Bemitleidende Augen fanden sich am Startplatz, als sie mein Schuhwerk erblickten und wollten mir nicht so recht abkaufen, dass ich damit meine Freude hätte. Ändern sollte sich das während und nach dem Lauf. Ich startete in etwa in der Mitte, angetreten waren 104 Läuferinnen und Läufer. Das Wetter schien ideal zum Laufen: trocken, leicht bewölkt und ein frischer, sanfter Wind rundeten das Klima bei gut über 10°C ab.

Ein wenig Profil ist nicht zu viel ;-)
Ein Stück Asphalt, dann gings Waldeinwärts, und, oh Schreck, frisch gestreuter, harter, großkörniger Schotterweg. Anfangs lief es sich trotz der Gummi-Latschen ganz gut darauf, als es sich aber länger hinzog, machte ich mir langsam schon etwas Sorgen wegen meiner Fußwurzelknochen. ;-)

Ob durch leichten Schmerz angetrieben, oder eher zufällig, entdeckte ich durch minimale Änderung des Laufen eine Technik, wie ich mit den Sohlen nicht mehr so sehr das Gefühl hatte zu laufen, sondern über den Boden gleichmäßig zu gleiten. Und das wohl sehr schnell. Wie der Wind zog ich immer wieder an Läufern vorbei, die sich darüber wunderten, von einem "Flip-Flop"-Träger überholt zu werden. Irgendwann hefteten sich dann aber auch zwei überholte recht gut an mich an. Nach spätestens 2/3 des Laufes setzte meine tiefe Bauchatmung ein... und ich musste unbedingt kacken, pardon... aufs Klo. Ob ich dadurch schneller wurde?

Kurz vor Zieleinlauf war ich überrascht, dass ich noch richtig(!) sprinten konnte und so nochmal eben bei ein paar Läufern vor der Ziellinie vorbei schoss. Ich vermutete eine Zeit bei vielleicht 43 Minuten.

Die Tatsachen waren gnädiger. Mit 40:44 lief ich meine persönliche Bestzeit über "echte" 10km und belegte den 19. von 104 Plätzen, den 3. von 11 in meiner Altersklasse und heimste so sogar erstmals einen Platzierungspreis ein: Eine Flasche Wein, die nun im Regal steht und darauf wartet, irgendwann gesoffen, äh, genossen zu werden.

Die neue Halterung hatte die Sohle stets angenehm fest aber nicht drückend am Fuß gehalten. Jedoch war der Vortrieb nur durch den Zehentrenner gehalten, wodurch sich dort die ganze Haut abgerieben hatte. Mir schwant schon, wie ich eine verbesserte Halterung bauen könnte, mit einer nicht ganz so flexiblen Sohle. Material ist bestellt und trifft hoffentlich bald ein... zuvor gab es noch einen Lauf in einem spontanen Materialtest in Prototyp IV, dem Motorradreifen, der weniger gut ausfiel.

Dienstag, 8. Mai 2012

Schneller, blutiger Lauf

Da war nun das Laufleder geboren, die Ersteindrücke bis auf scheinbare Schnürungsprobleme positiv, aber ich hatte sogesehen keine Vernünftige Grundlage, um einschätzen zu können, wie toll es nun denn tatsächlich war. Die Lust, weitere Materialien zu testen, war geboren.

Prototyp II klebt förmlich am Fuß
Sogar mit ordentlich Profil ;-)
Als sich bei den Hausschuhen meines Bruder die Sohlen, ähnlich wie die typischen Birkenstocksohlen, nur etwas weicher, lösten, nahm ich das zum Anlass die Schuhe zu "schlachten", indem ich die Sohlen unten mit einem Messer ablöste, diesmal testweise mit einer dicken, elastischen Schnur einschnürte und mir sogleich lustvoll um die Füße band. Prototyp 2 war geboren. Die Sohlen waren ein Stück zu lang, ich sah das aber nicht als Behinderung an, was sich später jedoch anders herausstellen sollte.

Die Enden lies ich dran, da
bisher der Fuß auf der Sohle
erfahrungsgemäß während des
Laufens gerne mal leicht
verrutschten kann
Und nicht viel später konnte ich es kaum erwarten, damit einen ersten Lauf zu wagen, ein Lauf in die April-Nacht hinein. Über Feldweg, Schotter und Stein fühlte ich mich merklich besser aufgehoben als in den Ledersohlen, die Sohlen saßen bombenfest an den Füßen und ich flog nur so dahin. Letzteres mag auch an der guten Tagesform gelegen haben, ich hatte jedenfalls das Gefühl mühlelos in rekordverdächtigem Tempo meine Hausstrecke zu laufen. Wie verrückt schoss ich über den Boden hinweg, doch da, bei einem Übergang von Feldweg zu Asphalt blieb mir irgendwie die Sohle vorn und/oder der Zeh hängen un ein kurzer, fester Schmerz durchzog meinen linken Zeh.

Die Verletzung als gering einschätzend, lief ich ohne anzuhalten weiter, genoss den weiteren Lauf und kam begeistert wieder zu Hause an. Der Zeh sah übler aus, als es tatsächlich war, aber das Foto musste sein. ;-)
Wer schön sein will, äh, wer
einen neuen Laufschuh
entwickeln möchte, muss
leiden

Bereits nach diesem ersten Lauf war die Sohle stark an die Fußform angepasst. Das Material war sehr biegsam, ich auch mit heftigem Tempo gelaufen. Jedoch blieb ein Kiesel inmitten der Sohle stecken und hatte sich fast durchgebohrt.

Nach nur zwei weiteren Läufen später sollte sich jedoch herausstellen, dass die Sohlen durchgelaufen waren. Am Hauptverschleißpunkt am Fußballen war nur noch eine Papierdünne Schicht übrig geblieben. Prototyp II war somit schon wieder gestorben, hatte mir aber gezeigt, dass es noch deutlich angenehmer zu laufen geht, als mit dem Laufleder. Und so wurde die Lust und Neugier nach neuen Materialtests besonders groß... ein weiterer Prototyp sollte bald folgen...

Erste Schritte zum selbstgefertigten Laufschuh

Als ich im Sommer 2011 mit dem Laufen begann, wollte ich möglichst natürlich, d.h. Barfuß unterwegs sein. So wagte ich mich mit nackten Füßen nach draußen zum Lauf auf Asphalt. Der erste Kilometer war sehr interessant, leichtes Pieksen da und dort, aber insgeheim schien es zu funktionieren. Nach dem zweiten Kilometer änderte sich das aber zunehmends und die bisher zarte Fußsohle war rundum mit einem Brandgefühl erfüllt. Den Rückweg trat ich daher "etwas" langsamer an... Hauptsache ankommen. ;-)

Danach machte ich mich an die intensivere Recherche bezüglich Barfußlaufen und stieß auch auf sogenannte "Barfußschuhe" wie den Nike Free. Den probierte ich dann im Laden auch an, hatte aber den Eindruck, dass dieser Schuh nicht lange halten würde und klapperte weitere Schuhläden ab, bis ich im Adidas CC Ride einen meinen Füßen besonders zuträglichen Barfußschuh fand. Während der Recherche stieß ich auch auf "Huaraches", selbstgebastelte Minimalschuhe, denen ich damals aber keine Beachtung schenkte.

Das sollte sich ändern, als ich ab November 2011 nur noch Barfuß im Haus unterwegs war und vereinzelt eine kleine Barfußrunde im Gelände lief, unabhängig von den Temperaturen, naja fast: solange 0°C nicht unterschritten wurde. Als ich immer mehr auch teilweise auf Geröll und Schotter spazierte, war der Gedanke geboren, Socken mit aufgenähter Ledersohle anzufertigen, um auch darauf "Barfuß" laufen zu können.

Zur Umsetzung kam es nie, die "Huaraches" im Internet erregten jedoch nunmehr meine Aufmerksamkeit. Erst durch ein paar motivierende, antreibende Worte einer Freundin wagte ich dann endlich, mein handwerkliches Geschick herauszufordern.

Der Prototyp I
Dickes Rindleder wurde bestellt und daraus inspiriert von den vielen Variationen von "Huaraches" eine eigene Variante hergestellt. Der erste Lauf war begeisternd... Barfußlaufen, nur kein böses Pieksen mehr, wenn ich auf Steinen unterwegs war. Dass ich damit aber von guten Langstreckenschuhen, die auch auf längeren Schotterstrecken geeignet sind, noch weit entfernt war, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.
Prototyp I im
Wettkampf erprobt
Später sollte sich sonst noch herausstellen, dass bei nasser Witterung sich das Leder mit Wasser aufsaugt und schwer wird. An der Schnürung tüftelte ich viel herum, sie schien anfangs die größte Herausforderung zu sein. Und dann ging es auch auf einen Wettkampf über 10km, wo die Schnürung sich als zu lose herausstellte und ab einigen Kilometern die Schuhe nicht mehr fest genug an den Fußsohlen saßen und dadurch beim Laufen auf den Boden klatschten, sodass ich mich nicht vollständig auf das Laufen einlassen konnte. Immerhin kam ich noch mit 45 Minuten ins Ziel und die Zuschauer waren von meinen "Schuhen" begeistert. Im Ziel stellte ich auch fest, dass es ein paar kleine Aufriebstellen gegeben hatte, die sich aber in kleinen Grenzen hielten.

Der erste Prototyp sollte als Namensgeber für meine hergestellten "Laufschuhe" dienen: Laufleder. Weitere Prototypen und blutige Erlebnisse sollten folgen. Mehr dazu in Bälde.