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Dienstag, 10. Juli 2012

Der Tag des Burn-Out

Das Morgen-Grauen

Es ist Zeit aufzustehen, Du wachst auf.

Schwer wie an Blei gekettet fühlst Du Dich, willst Dich erheben, doch eine Schwere und Erschöpfung hindert Dich daran. Du schläfst wieder ein. Wachst gefühlte 20 Minuten später wieder auf, willst aufstehen und erneut fällst Du unerwartet wieder in einen Schlaf. Das kann sich bis zum Mittag wiederholen, wo Du es dann endlich schaffst, mit großer Willenskraft, nachdem Du aus den vielen Fehlschlägen weißt, was sich wohl wiederholen würde, Dich aufzurichten. Die Gliedmaßen fühlen sich taub an, kribbeln. Vom Aufstehen wird Dir kurz schwarz vor Augen. Du hast das Gefühl, als würde Dein Herz gleich aufhören können zu schlagen.

Verwirrt, wie von einem seltsamen Fluch belastet, fühlst Du Dich noch halb im Schlaf.
Willst zwei und zwei zusammenzählen, sieben kommt heraus - Du weißt, dass das nicht stimmen kann, weißt aber auch nicht das richtige Ergebnis. Telefonnummern kannst Du nicht zu Ende denken. Irgendwie das Denken allgemein ist eingeschränkt. Du bist völlig desorientiert, zweifelst daran, dass Du überhaupt wach bist. Alles fühlt sich so irreal an. Dass Du schon den halben Tag gekämpft hast, überhaupt aufzustehen, hast Du bereits wieder vergessen. Du hast das Gefühl, nicht richtig da zu sein.

Das digitale Blutdruckmessgerät erledigt seine Funktion nicht, hat nichts anderes als ERROR zu berichten. Du hast das Gefühl gleich in Ohnmacht zu fallen. Das später durch Fachkraft angelegte analoge Messgerät behauptet einen Wert von 80/50, der zuerst nicht ernst, dann doch sehr ernst genommen wird. Der Ruhepuls liegt trotz vielen Sports bei knapp 80.

Der Kopf schmerzt, die Gelenke tun weh, ja auch die Muskeln. Laufen fühlt sich ungewohnt an, man hat den Eindruck, man müsse es gerade wieder neu erlernen. Auch die Hand, als sie schreiben möchte, verhält sich ungelernt, ungewohnt, schreibt die Buchstaben anders als gewohnt.

Die Hände und Füße sind eiskalt und wollen nicht warm werden. Dabei ist es Sommer.

Also vielleicht doch von irgendeinem Wesen besessen?

Du wirst schwach, legst Dich auf den Boden und bist weg. Weg im Land der Träume, nein, nichtmal Träume. Im Nichts.


Und was soll das nun?

So ähnlich erging es mir gestern, nur etwas abgemildert. Doch so stark erging es mir bereits vor längerer Zeit...

Ein Rückfall ins Burn-Out inmitten der eigentlichen Burn-Out-Erholungsphase.

Viel Stress, insbesondere verursacht wegen privaten Herzangelegenheiten haben mich die letzten Wochen pausenlos belastet und mir keine innere Ruhe mehr gönnen wollen. Dann setzte ich zudem noch meine NEMs ab und aß vermehrt Obst (Blutzucker-Schwankungen erzeugen Stress im Körper.)

Gestern war das Fass wieder über. Meine körperlichen wie geistigen Kräfte geraubt.


Hochdosierte Präparate päppelten mich wieder einen Schritt auf, sodass sich der Blutdruck bessert und der Alltag, wenn auch ohne Stresstoleranz (jedes Telefonläuten kann zur Hölle werden) ein wenig bewältigt werden kann. Es bleibt mir nichts übrig, als möglichst gelassen zu sein - oder sonst wieder erschöpft einzunicken. In einen Schlaf, der keine Erholung gewährt. Weil es keine "echte" Müdigkeit ist, die ihn einfordert.


Wie kommt es zum Burn-Out?

Der Weg zum Burn-Out ist der Weg des chronischen Stresses.
Wenn wir unter Stress stehen, produzieren die Nebennieren bestimmte Hormone (Du hast bestimmt schon mal von Adrenalin gehört ;-)), die uns diesen bewältigen lassen. Ist das Problem bewältigt, tritt Erholung ein - für die Seele, aber auch die Nebenniere kann sich erholen.

Wird das Problem hinausgeschoben oder kann/will nicht gelöst werden, aber man wird weiterhin ständig damit konfrontiert, kann dies zu chronischem Stress ausarten. Probleme dieser Art können aller Art und auch subjektiv völlig unterschiedlich sein. Was den einen umbringt, macht den anderen glücklich. ;-)

Da ich als eher scheues Wesen ständig irgendwelchen sozialen Befürchtungen unterlag, war ich dafür schon von jung an prädestiniert. Erfolgsdruck und Versagensängste in der Schulzeit brachten mich an die Grenze. Im Berufsleben durfte ich sie dann erneut überschreiten.

Der Fluch lastete Jahre auf mir, ohne das die tatsächliche Ursache erkannt wurde. So wurde ich depressiv deklariert, obwohl ich voller Motivation war, etwas zu tun, nur die Kraft unmöglich aufbringen konnte.

Dieses Jahr sollte mich eine stressvolle Zeit wieder niederringen. Ab da war ich sicher, nachdem sich oben erwähntes wieder abgespielt hatte, dass es ein Burn-Out sein müsste. Die Theorien dazu sind aber bis heute alle strittig, gerade die einer Nebennierenschwäche (NNS), die in den USA aufblüht, hierzulande aber weniger Beachtung von offizieller Seite erfährt.


Als ich dann neulich meine vier Weisheitszähne ziehen ließ, da sie mir wortwörtlich Druck machten, durfte ich eine bestätigende Erfahrung machen: Und zwar sollte ich vor der Sitzung eine Stunde zuvor zwei Arzneien einnehmen. Das war zum einen ein Antibiotika, zum anderen Prednisolon, eine Art von Cortisol - das eben sonst in den Nebennieren produziert wird.

Ich war zwar schon längst wieder im Alltag, aber nach der Einnahme und dann auf dem Weg zum Zahnziehen, fühlte ich mich ungewohnt stark im Leben, richtig gut, wie es nur wenige male im Jahr mal der Fall sein kann. Nunja, die Theorie: Die Arznei war das, was die Nebenniere schon seit längerem wohl nicht mehr genügend aus Erschöpfung produzieren kann.

Die Recherche danach im Internet lies mich durchweg zum Thema NNS führen.

Als mich gestern erneut der Schlag traf, konnte ich mit einer noch verbleibenden Tablette, nebst NEMs mich innerhalb weniger Stunden auf ein gewisses Grundniveau aufpäppeln, um dem Alltag zumindest grundlegend begegnen zu können. Das war eine weitere Bestätigung.


Ein Besuch beim Arzt soll folgen. Da NNS weitgehend wie erwähnt hierzulande noch keinen sonderlich seriösen Ruf, denn überhaupt Bekanntheitsgrad genießt, könnte das etwas komplizierter werden.


Meine Maßnahmen zur Schonung der Nebennieren

Meine eigenen Maßnahmen sind, mich weiter in Gelassenheit üben, Probleme zeitnah lösen, von Problemen generell möglichst nicht aufregen lassen.

Eine kohlenhydrat-reduzierte Ernährung für möglichst konstante Blutzuckerspiegel, da die Nebenniere andernfalls dabei viel zu arbeiten hat. Mit starker Orientierung an Paläo-Ernährung bin ich da ganz gut dabei. Gerade glutenhaltige Getreide sollen die Nerven besonders stimulieren und sind daher eine der schlimmsten Übel. Obst aber ebenso. Werde mich hier wieder, soweit möglich, auf Beeren beschränken. Totale Ketose ist eine Überlegung wert.

Frühes Schlafengehen. In die Nacht aufbleiben bereitet dem Körper Stress und die Nebenniere darf arbeiten.

Salzsolewasser am Morgen, soll ebenfalls hilfreich sein, da bei schlecht arbeitender Nebenniere der Natirumhaushalt gestört ist und man Salze schneller als üblich wieder los wird.


Nunja, der Sport... meine Leidenschaft das Laufen... muss ich wohl noch weiter zurückdrehen. Kleine, langsame Einheiten sind stresslindernd, förderlich, Leistung und Limit intensiv dagegen erzeugen Stress.
Ich hatte ohnehin schon überlegt, nur noch bis Distanzen von bis zu 10km richtig Gas zu geben, die Grenze wird hier wohl langfristig auf 5km sinken. Lange, dafür entspannte Läufe, gar Halbmarathon oder Marathon könnten dagegen noch von der positiven Wirkung profitieren, wenn sie denn wirklich auch entspannt angegangen werden. An Bestzeiten ist da erstmal weniger zu denken.

Zwei noch anstehende Läufe wollte ich unbedingt noch bewältigen.
Und ich muss sagen, dass ich kaum widerstehen kann. Ein Berglauf und ein Landschaftslauf über jeweils 10km. Ob ich dazu überhaupt bis bald in der Lage bin, ist eine andere Frage. Aber nicht teilnehmen, wäre für mich ein großes Problem, und somit auch Stress. ;-)

Nicht dass ihr meinen Burn-Out unterschätzt, beim ersten mal dauerte es über ein Jahr, bis ich wieder halbwegs im Alltag war. Durch Erfahrungswerte (NEMs, Gelassenheit, Ernährungsoptimierung, ...) einerseits, sich kompensierend anders eingestellte Organe und Einstellungen andererseits, ist es durchaus denkbar, dass ich wieder bald in meinem chronischen Mittelzustand bin. Ich bin es mittlerweile gewohnt, mit dieser Schwäche umzugehen, ihr nicht so viel Wert beizumessen, mich durchzubeißen.


Mal schaun, ob mir der Arzt entlastende Dosen an Hormonen verschreiben kann. Laut meiner Recherche sind hier besonders zu erwähnen: Hydrocortison/Cortisol, DHEA und Pregnenolon.

Kommentare:

  1. Hallo Entwanderer, es gibt einen Zusammenhang zwischen Ketose und Depression. google mal, ich habe seinerzeit einiges gefunden. Meine Nebennieren waren auch erschöpft. Wie sehen den deine Werte aus, vor allem auch Cortisol? Unter low carb/high carb ging es mir ähnlich wie dir. Mit weniger Fett ging es länger gut, jedoch kam auch die die Depression und ich kenne einige, denen es ähnlich geht. Heute sage ich, es gibt ein Leben zwischen den Extremen, und das fühlt sich richtig gut an.

    Allerdings noch wichtiger, wie sieht deine mentale Gesundheit aus? Hier einmal ein paar Begriffe in diesem Zusammenhang:

    Hoffnungslosigkeit, hartes Ego, konditionierte Ansichten, negatives Denken über alles und jeden; Ohnmacht emotionales Verhinderungsmuster, welches Entscheidungen / Umsetzungen / Verwirklichungen verhindert.

    Fehlende Selbstverwirklichung, funktionieren in Strukturen. Fehlende Lebensberechtigung.
    Roboterdasein, fehlende Selbstverwirklichung, mangelnde Anerkennung, mangelndem Selbstvertrauen und verletztem Selbstwertgefühl. Negatives Denken, Verurteilung. Liebe Grüße

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  2. Korrektur: Ich meine natürlich unter low carb/hig fat ;-) ging es mir ähnlich wie Dir.

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    1. Liebe Biofee,

      Depressionen habe ich derzeit keine. In Ketose bin ich schon seit über zwei Monaten nicht mehr. Durch die vieeelen Beeren zur Zeit bin ich da locker drüber geblieben. Damit fahre ich auch sehr emotional stabil und geerdet. Ich muss jedoch zugeben, dass ich, als ich am vergangenen Wochenende ein halbes Kilo Aprikosen wie Feigen verzehrte, in eine vorübergehende, nicht direkt begründete Weinerlichkeit verfiel.

      Mental bin ich seit jeher ein großer Optimist. Innerlicher Stress, durch mangelndes Selbstwertgefühl bestärkt, wiederum bedingt durch mangelnde, aktive, liebevolle Kontakte, scheint mir mein Hauptgrund zum Burn-Out zu sein. Und genau da setze ich jetzt mit viel Mut besonders an.

      Cortisol ist (noch) nicht gemessen. Blutbild, Hormone und Schilddrüse sollen diese Woche geprüft werden.

      Eine Zeit lang in Ketose zu verbringen strebe ich demnächst übrigens sogar wieder an.

      Viele Grüße

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