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Donnerstag, 9. Januar 2014

Rückschulung auf die linke Hand

Im Zug meines Ketose-Experimentes kam es bei mir psychologisch-motorisch gesehen noch zu einer interessanten Veränderung.

Das Thema Linkshändigkeit faszinierte mich schon immer irgendwo.

Ich hatte in den letzten Jahren etwas damit experimentiert, mit der linken Hand etwas zu schreiben, gar meine Unterschrift auf links gewechselt.

Als ich dann im Herbst 2013 auf diesen Hirnigkeitstest stieß, der zumindest in der Lage scheint, tendenziell verwertbare Aussagen zu machen, und bei mir Rechtshirnigkeit  = Linkshänder-Tendenz zeigte, beschäftigte ich mich wieder intensiver mit dem Thema.

Mein letztlicher Zweifel war stets, ob ich denn überhaupt Linkshänder sei, ich wollte früher lediglich die Verbindung der Gehirnhälften etwas stärken und schulen.

So recherchierte ich altes Film- und Fotomaterial aus jüngster Kindheit im Alter von ca. 1-6 Jahren. Und tatsächlich, ich machte sehr vieles mit links. Ob die Schaufel im Sandkasten, das Zeigen mit dem Finger einer Hand - links.

Umgekehrt hatte ich bisher jedoch wohl durch mehr oder weniger unbewusstes Umlernen (Nachahmen) fast alles ausnahmlos mit rechts gemacht.

Die graue Theorie und das Konzept hierzu

Von dieser Tatsache angeregt, las ich einerseits im Internet, andererseits das Buch "Der umgeschulte Linkshänder: Oder der Knoten im Gehirn" mit seinen interessanten Gedanken und Erfahrungsberichten. Das Konzept dahinter lässt sich in etwa so beschreiben:

Jeder Mensch wird mit einer eindeutigen Hirndominanz geboren, so wie jeder mit einem eindeutigen Geschlecht (Die Ausnahmen fallen statistisch gar nicht ins Gewicht). Wird nun aufgrund von Erziehung/Nachahmung/Umschulung die weniger dominante Seite hauptsächlich, insbesondere bei sehr intensiven Tätigkeiten eingesetzt, wird die eine Hirnhälfte über-, die andere unterlastet.

Das kann sich dann so äußern, dass Menschen sich ständig überfordert fühlen, obwohl sie es eigentlich nicht sind. Getrieben, gestresst. Das Gefühl haben, immer 150% oder mehr Prozent geben zu müssen und nicht anders zu können, wobei andere die Dinge so locker nehmen.

Ein eigener Einwurf: Psychologisch gesehen ist man nicht bei seiner Seite, nicht bei sich selbst. Man ist auf die andere Seite umgekünselt, nicht authentisch, geschauspielert - und das ist mit erheblichen, zusätzlichen Energieaufwand verbunden.

Von möglichen Verstärkungen von inneren Stresszuständen, mangelndem Selbstwertgefühl (man ist schließlich nicht sich selbst bzw. seiner Seite und in sich verankert) bis hin zu Gedächtnisstörungen u.a. ADS/ADHS oder Legasthenie, bis hin  zu größten Selbstzweifeln bis Depressionen ist die Rede. Nicht immer unbedingt als alleiniger Auslöser, aber dann immerhin als womöglich nicht zu vernachlässigendem Verstärker.

Möglichkeiten der Umschulung auf die nicht-dominante Hand

Das Problem betrifft natürlich sowohl Linkshänder, die mit rechts hantieren, als umgekehrt Rechtshänder, die mit links überwiegend hantieren.

Gerade das Schreiben spielt dabei eine Schlüsselrolle, weil hier viele Faktoren konzentriert zusammenspielen. Zum einen die Feinmotorik durch das Schreiben, dann die dabei bildliche Vorstellung und das Gedächtnis eng im Vorgang verbunden.

Zum einen werden manche Schüler bewusst umgelernt, aufgefordert diese Hand zu nehmen. Es kann aber auch sehr unbewusst ablaufen. Z.B. sind viele Gegenstände des Alltags für Rechtshänder ausgelegt - oder werden entsprechend vorbereitet. Wenn die Eltern selbst rechtshändisch unterwegs sind, werden diese dem Kind das Besteck ohne sonderliches Nachdenken häufig eben für einen Rechtshänder gedacht hinlegen oder dem jungen Menschen ohnehin in die rechte Hand drücken.

Eine andere Möglichkeit ist auch die schlichte Nachahmung. "Mama und Papa halten es so in Händen, dann will ich das auch so richtig machen."

Früher, als das Thema weniger erforscht war und man Linkshändigkeit schlicht als eine unübliche Gewohnheit ansah, sah man nichts schlimmes darin, zum Guten des Kindes es auf die rechte Seite zu trimmen. Nach der aktuellen Forschung ist dies jedoch sehr kritisch zu betrachten.

Die eigene Rückschulung

Die hohe Kunst linkshändiger Feinmotorik beim Schreiben
edler Worte bis hin zu ganzen Sätzen. Gar Spiegelung ist möglich!
Mir den möglichen negativen Auswirkungen an mir und den möglichen Chancen einer Umschulung bewusst, entschied ich mich für eine intensive, allumfassende Umschulung. Gerade da ich mich als sicherer Linkshänder identifiziert hatte (es gibt Einrichtungen die im Zweifelsfall mit Gerätschaft hier nachprüfen können) und einige der Symptome wie dem inneren Stress wieder erkannte. Der legte sich zwar im Zuge meines Ketose-Experimentes auch, aber die eigentliche Ursache war hier womöglich wo anders zu suchen und Ketose nur eine Möglichkeit, aus dem ganzen Debakel Druck zu nehmen.

Was stellte ich um? Vorweg das Schreiben. Anfangs war es für die Muskulatur der Feinmotorik anstrengend, nach einigen Sätzen spürte ich bereits, wie sich in den Sehnen Muskelkater, etc. zeigte. Doch ich blieb dran, bis ich täglich bis ca. 1 Stunde dem Schreiben widmete - spiegelverkehrt, weil angenehmer, und auch "normal" herum.

Daneben schnitt ich mit dem Messer mit links, stellte meine Computer-Maus auf die linke Seite und vertauschte die Tasten.

Dann besuche ich neuerdings einen Tischtennisverein, um mit links ganz neu anzufangen.

Selbstverständlich bohre ich nun mit dem linken Finger in der Nase und im Ohr oder kratze mich mit links am Kopf.

Sogar auf der Toilette wird nun mit links abgewischt, wie es in arabischen und asiatischen Ländern generell üblich ist - wenn dort auch oft ohne Papier.

Wo wir gerade bei der Toilette sind... generell das Besteck verwende ich umgekehrt, neben dem schneidenen Messer, die stechende Gabel.

Fortschritte

Die Geschwindigkeit kommt noch nicht an die rechte Hand heran, jedoch ist mein Schriftbild mit links bereits schöner als mit rechts, hat Persönlichkeit. Ein Ende des Geschmieres mit der falschen Hand.

Habe auch ein paar Buchstaben neu erfunden, d.h. ich schreibe sie anders als zuvor. Wenn das nicht ein Beweis dafür ist, dass die Kreativität und das Potential des Hirns hier wieder geweckt wird. ;-)

Ich war der Ansicht, dass es leichter sei, gleich alles umzustellen, wenn auch die erste Mühe größer wäre. Denn ein ständiges hin- und herwechseln der Seiten und Hirne stellte ich mir doch eher problematischer vor.

Bemerkte Auswirkungen

Ich bilde mir ein
  • wachsendes Selbstvertrauen
  • (Wieder-)Erwachen meiner kreativen Seite, ich bemerke, wie ich häufiger (wieder) bildlich denke
  • schöneres Schriftbild
  • entspannteres Leben, ich muss keine 150% oder 200% mehr geben
  • Spaß am Schreiben mit der Hand
Vieles geht viel häufiger tatsächlich wie umschrieben... mit links... :-)

Erwähnt werden muss, dass dies im Zuge meines Ketose-Experiments stattfand und dieses hier womöglich auch Auswirkungen hatte.

Ich wage zu behaupten, dass ich durch das mehr an Energie dank Ketose auch an dieses Problem erst herankam, sich beides letztlich schön ergänzte und ich aber durch die Rückschulung ein großes Maß stabiler in mir selbst ruhen kann.

Was noch wenig vorkam, aber mehr werden wird, ist das Malen mit links. :-)

Die Scheren blieben rechts, da sie trotz ausgeschriebener zusätzlicher linkstauglichkeit nur bedingt wirklich dafür geeignet sind. Vielleicht kommen langfrigist noch Linkshänderscheren zu meinem Equipment dazu.

Kommentare:

  1. Ich bin da ganz flexibel:

    Links: Essen, feinmotorische Tätigkeiten wie z.B. Nähen, Schneiden, geht auch prima mit Rechtshänderscheren ;-)
    Rechts: Schreiben, Werfen, Maus

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    1. Schreit ja geradezu nach Linkshänder. Fehlt nur noch das Schreiben wieder links, eine der höchsten Künste was Feinmotorik angeht. :-)

      Meine Scheren leider gar nicht. ;-)

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  2. Bei ums im Forum gibt's dazu einen Thread: http://www.abenteuer-rohkost.net/threads/196-umgeschulte-Linksh%C3%A4ndigkeit ... habe Deinen Blog-Beitag da auch schon mit verlinkt.

    Alles Liebe,
    Ralph

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