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Donnerstag, 6. Februar 2014

Schokolade als Wegweiser

Oder: Wie wir das Verlangen nach Trost und
Ersatzbefriedigungen uns zu Nutze machen.

Mit gerichteter, punktierter Aufmerksamkeit blockierte
Gefühle aufspüren und allein durch deren Beobachtung lösen.

In den letzten Wochen habe ich eine sehr interessante Erfahrung gemacht, die ich schon länger vermutet, aber praktisch kaum umgesetzt hatte.

Und zwar geht es darum, wenn man sich in weniger ausgeglichenen Zeiten (die doch regelmäßig auftreten) zu Ersatz-Befriedigungen, zu Trost-Naschereien aller Art greifen.

Die Vielen essen dann Schokolade. Manche in rauen Mengen. Oder andere Süßigkeiten. Andere essen nicht unbedingt süß, stopfen sich den Magen mit allerlei Gerichten aber wie Weltmeister. Wiederrum andere beglücken sich mit einem Bier, vielen Tropfen Wein, Alkohl anderer Art bis hin zu Gras und anderen stärkeren Drogen.

Warum tun wir das? Was ist der Auslöser?

Der Auslöser ist stets ein unwohles Gefühl, meist im Bauch, Nacken, oder der Brust. Geradezu automatisch verführt es uns dazu, zu unseren individuellen Tröstungs-Maßnahmen zu greifen.

Diese Gefühle sind unangenehm. Sehr unangenehm.
Und daher klar: Man will sie loswerden!

Die entsprechende Objekte des Trostes führen Glücksgefühle herbei und/oder überdecken die unwohlen Gefühle. Und je nach individueller Ausprägung können das ein paar Rippchen Schokolade, ganze Tafeln oder Mahlzeiten für 2-3 Personen sein. Manche Menschen können gar nicht damit aufhören, ständig etwas in sich hineinzustopfen, bis der Magen vielfach gefüllt ist und eine Dröhnung einsetzt, welche die unangenehmen Gefühle vorübergehend verdrängt.

Was ist daran problematisch?

Da sind nun also Gefühle, die verdeckt, von denen davon gelaufen wird.

Durch die erwähnten Strategien wird ein Auflösen der Gefühle gebremst bist ganz gestoppt und auf Dauer können sich so mehr negative Gefühle ansammeln, als verarbeitet werden. Der Kreislauf wird intensiver und intensiver.

Abgesehen davon führen diese Strategien auch dazu, dass sie am Körper zehren, sich Blockaden festigen, das Energie-Niveau dauerhaft eingeschränkt und so das eigene Potential im Keim sicher, aber langsam untergraben wird.

Wie können wir dagegen vorgehen?

Indem wir aufhören, von unseren Gefühlen davon zu laufen. Indem wir schauen, was da eigentlich da ist und begreifen. Indem wir uns unseren Gefühlen, Teil von uns, uns selbst stellen.

Im Laufe der Experimente hat sich bei mir eine Methode herauskristallisiert, die bei mir sehr gut funktioniert hat und die ich euch mitteilen möchte.

Ist man zu Hause, häufig treten solche Gefühle insbesondere am Abend auf, wenn man mit sich selbst mehr konfrontiert ist.

Wir nehmen also das Verlangen nach unseren Tröstereien, Drogen... Schokolade als Signal, um an uns zu arbeiten.

Es bietet sich an, sich entspannt hinzulegen. Ich mache mir dazu eine Wärmflasche, die ich mir auf den Bauch im Bereich des Solarplexus lege.

Vorteilhaft ist, dass man sehr gemütlich liegt, nicht friert, sich sensorisch wohl fühlt.

Und dann schließen wir die Augen, atmen langsam tief durch und lenken unsere Aufmerksamkeit in unseren Körper.

Wir spüren hinein und bemerken, dass Disharmonie im Körper herrscht.
Wir lokalisieren die Stelle des Störgefühls im Körper mit unserer Aufmerksamkeit. Wenn wir sie gefunden haben, richten wir unsere Aufmerksamkeit punktgenau auf diese Stelle und verweilen dort.

Dabei löst sich nach und nach das Gefühl, jetzt kann es vorkommen, dass die unwohle Stelle zu wandern beginnt. Wir richten unsere Aufmerksamkeit immer an den Punkt, wo am meisten disharmonischer "Druck" gespürt wird.

Immer wieder kann es passieren, dass dort das Unwohlgefühl verschwindet, die mit Aufmerksamkeit punktierte Stelle sich plötzlich entspannt und der Körper weicher wird.

Die dort duch Verpannung eingeschlossenen Gefühle werden bewusst gemacht, gespürt und verarbeitet. Stück für Stück.

Wenn wir dann keine Disharmonie mehr spüren, oder nicht mehr weiterkommen, oder keine Lust mehr haben, beenden wir die Aufmerksamkeits-Sitzung.

Ihr werdet staunen, je nach erfolgter Verarbeitung kann es sein, dass das Verlangen nach den Tröstern merklich schwächer oder ganz verschwunden ist.

Wer müde ist, sollte noch ein ca. 30-minütiges Nickerchen anschließen.

Was bringt uns das? Wie geht es weiter?

Nach und nach können so alte Wunden, Trauer, Traumata wieder aktiviert und verarbeitet werden.
Die steckenbleibende Trösterei findet ihr Ende, die Dinge werden abgeschlossen.

Das Energie-Niveau des Körpers wird nach jedem mal erhöht. Wir werden wieder freier. Sind weniger Sklave unserer Verlangen nach Trost von außen, der nur Schein und Trug ist.

Im Alltag drückt sich das durch mehr Ausgeglichenheit, innerer Ruhe und Stärke, Mitgefühl und Lebensfreude aus.

Und wenn mich es während der Arbeit erwischt?

Die Übung kann man prinzipiell immer machen, wenn etwas hochkommt. Nach etwas Übung kann man sie nebenbei machen, es ist nicht immer notwendig, ideale Voraussetzungen zu haben.

Auch im Alltag ist es leicht, aufkommende Gefühle mit Aufmerksamkeit genau zu lokalisieren und aufzulösen. Wir spüren hinein, richten unser Gespür dorthin und lösen auf. Perfekt muss es nie sein.

Ich nenne diese Vorgehensweise die Entwanderer-Meditation. ;-)

Viel Erfolg beim Auflösen von alten, unverarbeiteten Emotionen.
Manchmal kann es heftiger werden, aber die Methode funktioniert auch dann genauso.

Ich wünsche euch viel Freiheit.

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